Polizeichor Koblenz an Rhein und Mosel

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Eine Reise zur Donaukönigin

Polizeichor Koblenz in Ungarn - Konzert in Esztergom - Fahrt in die Puszta

Das Jubiläumsjahr 2004 „25 Jahre Polizeichor Koblenz“, sollte mit einer besonderen Reise gekrönt werden.
Gut geplant und durch die Firma VERTOURS, Gießen-Klein-Linden, als kombinierte Bahn-Flugreise hervorragend vorbereitet, machte sich eine 75-köpfige Reisegruppe auf den Weg nach Ungarn.

Ungarn, woran denkt man beim Klang dieses Namens?
Mit Sicherheit an Zigeuner, Csárdás, Paprika, an Pferde, Puszta, Piroschka.
Wer verspürt da nicht Sehnsucht nach den wehmütigen Klängen schluchzender Geigen, nach wirbelnden, stampfenden Tänzen, nach Wein, der ins Blut geht und Speisen, die in der Kehle brennen, nach galoppierenden Pferden und rassigen Mädchen. Nach all dem glutvollen Leben voll süßer und wilder Romantik, die unser nüchterner Alltag entbehrt.
Doch zunächst einmal war Nüchternheit angesagt. Die lange, aber interessante und kurzweilige Bahnfahrt, das Einchecken am Flughafen, die Aufregung beim Start und bei der Landung, die verzweifelnde Suche nach einem Koffer auf dem Gepäckband, der verschollen blieb und erst zwei Tage später auftauchte.
Da kam noch keine Sehnsucht auf.
Unser Domizil für den 6-tägigen Aufenthalt war das ****Sterne-Hotel Pava Plaza, in der Stadtmitte Budapests gelegen. Es verleitete direkt zu ersten Erkundungsgängen, wovon die Bahnreisenden, die einen Tag früher angereist waren, schon ausgiebig Gebrauch gemacht hatten.

Das gemeinsame Programm begann am 2. Tag, nachdem auch die Flugreisenden im Hotel Quartier bezogen hatten.

Einen ersten Eindruck von der Faszination und Schönheit der Stadt bekamen wir im Rahmen einer ausgiebigen Stadtrundfahrt. Bereits während des Bustransfers vom Bahnhof und vom Flughafen zum Hotel wurden wir von unseren beiden Reiseführerinnen Heidi und Eszther, die uns während des Budapestaufenthaltes betreuen sollten, mit den ersten geschichtlichen Daten der Geschichte Ungarns und der Entwicklung Budapests zur heutigen Weltstadt vetraut gemacht.
Man liest oft, dass die Ungarn in ihrer liebenswerten Neigung zur leichten Übertreibung behaupten, in ihrem Land gebe es nur eine Stadt - und das sei selbstverständlich Budapest. Sie hat Charme und Ausstrahlung, eben wie eine Königin, die Königin der Donau.
Auch unsere beiden Begleiterinnen ließen manchmal diese Neigung erkennen.
Beeindruckend die Fahrt durch die Stadtteile Buda und Pest, ehemals selbständige Städte, die dritte Stadt Obuda findet keine Erwähnung mehr. Imposant der Besuch des Heldenplatzes mit den ihn eingrenzenden Museen.
Dann brachten uns die Busse über die markante Kettenbrücke, die erste, 1849 fertiggestellte Brücke über die Donau, hinauf zum Gellert Berg.
Unvergleichlich die Sehenswürdigkeiten wie Fischerbastei, Matthiaskirche, Burgviertel und der herrliche Blick über das silberne Band der Donau hin zu dem prachtvollen Parlamentsbau.
Wieder zurück am Hotel ließ der Nachmittag noch Zeit für einen Einkaufsbummel auf der Vaci Utca und einen Besuch der Großen Markthalle, in der man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt und von der Fülle des Angebots fast erschlagen wird.
Mit einem Folklore Programm und ungarischen Spezialitäten in der Csárda Budapest klang der Abend in gemütlicher Runde aus.

Am anderen Morgen, nach einem ausgiebigen Frühstücksbuffet, war der Besuch des Parlaments kurzfristig eingeschoben worden. Wenn schon die Außenansicht so beeindruckend ist, wie faszinierend muss erst das Innere sein. Und wir sollten nicht enttäuscht werden. Leider gab es bezüglich der Einlasszeiten einige Fehlinformationen, was zu Wartezeiten führte. Aber auch später war Geduld angesagt, und es war gut, dass die meisten ihren Regenschirm dabei hatten, denn es fing an zu regnen und wollte nicht mehr aufhören.
Aber die Besichtigung sollte uns vollauf entschädigen. Prachtvoll und die Krönung des Parlaments, die prächtige Kuppel, welche die Halle im ersten Obergeschoss überspannt. Auch die Pracht des Großen Sitzungssaales ist überwältigend.

Wieder zurück im Hotel war für die Sänger Probezeit angesagt, denn am Abend stand die gesangliche Mitgestaltung der Heiligen Messe in der Basilika St. Stephan, dem größten Kirchenbau Budapests, auf dem Programm. In der ansprechenden Akustik dieses imposanten Bauwerks entwickelte sich unser Gesang zu einem ergreifenden Erlebnis. Hier wurden bei dem ein oder anderen Sänger wieder Erinnerungen wach an die gesangliche Gestaltung der Heiligen Messe im Petersdom von Rom im Jahr 1999.
Selbstverständlich war, dass den Gottesdienstbesuchern nach dem Verlassen der Basilika, auf der Kirchentreppe noch ein musikalisches Ständchen geboten wurde.
Nach dem Abendessen in einer Csárda in der Nähe des Hotels ging auch dieser Abend, noch mit viel Gesang, harmonisch zu Ende.

Der nächste Tag sah zunächst alle am reichhaltigen Frühstücksbuffet versammelt. Es galt, sich für die Tagesaktivitäten zu stärken.
Zunächst führte uns die Fahrt nordöstlich hinaus aus Budapest nach Gödöllö, um hier das Sissischloss, die ehem. Sommerresidenz der Kaiserin von Österreich-Ungarn, zu besichtigen.
Die Besichtigung übertraf alle Erwartungen. Aber die Überraschung erwartete uns, als wir das Schloss wieder verlassen wollten. Eine Unwetterfront war aufgezogen und es goss in Strömen.
Weiter ging die Fahrt hinaus in die Puszta zu einem Reiterhof. Anscheinend hatte der Wettergott ein Einsehen mit uns, denn er zog sich in seinen Schmollwinkel zurück und ließ uns trockenen Hauptes und Fußes den Nachmittag erleben.

Die Puszta, Faszination pur. Aber, die Eintönigkeit mit ihrem eigenartigen Reiz, die Einsamkeit und endlose Weite, die Unbegrenztheit des Horizonts, die den Blick nach allen Seiten frei schweifen lässt, sie fehlte hier noch.
Wir fahren in Pferdekutschen durch eine abwechslungsreiche Landschaft und werden auf einem pappelnumsäumten Weg von Pferdehirten, den Csikós, auf ihren Pferden erwartet und dann zum Parkplatz geleitet.
Hier wird uns ein kleiner Imbiss und der für diese Region typische Begrüßungstrank gereicht.
Nach der Kutschfahrt durch die Puszta waren die Reitervorführungen ein absoluter Höhepunkt. Faszinierend, mit welcher Leichtigkeit auf und zwischen den Pferden jongliert wurde. Auch die verschiedenen Geschicklichkeits- und Gehorsamkeitsübungen, welche die Csikóspferde zeigten, waren sensationell. Nach einer Besichtigung des Gestütauftriebs durften einige Sänger ihre Geschicklichkeit in der Handhabung der Csikóspeitsche testen und eine Flasche von einem Pfosten schlagen. Sie machten dabei eine gute Figur.
In einem wunderbaren historischen Ambiente verlebten wir, mit Kesselgulasch gestärkt und Wein fürs Gemüt, unvergessliche Stunden.
Die musikalische Untermalung und Begleitung durch Geigenmusik fehlte nicht.. Mal schluchzend und traurig, mal temperamentvoll und einschmeichelnd, zauberten sie eine Stimmung herauf, die unvergleichlich war.
Erst spät traten wir mit dem Bussen die Rückreise an.

Der vorletzte Tag sah zunächst einen Ausflug durch das Donauknie und die Besichtigung der Künstlerstadt Szentendre vor.
Es ist faszinierend wenn man sieht, wie dramatisch ein Strom urplötzlich seinen Lauf verändert und einer neuen Himmelsrichtung folgt. Doch für "uns Rheinländer" ist dies nichts besonderes. Im Weltkulturerbe Mittelrhein vollzieht auch der Rhein solch dramatische Wendungen. Auch die Mosel kann derer einige vorzeigen.
Bleibende Eindrücke beim Betreten der Künstlerstadt Szentendre. Jedes Haus ein Juwel, geschmackvoll in der Gestaltung und Ausstattung. Geschmackvoll auch das künstlerische Warenangebot, welches sich der Tourist nicht entgehen lassen sollte.
Anschließend führte uns die Fahrt nach Esztergom, der einzigen Bischofsstadt Ungarns. Die Besichtigung der Basilika von Esztergom, der größten Kirche Ungarns, gleichzeitig auch Wallfahrtskirche, war überwältigend und lässt sich mit Worten kaum wiedergeben.
Die Sänger waren noch einmal gefordert, galt es doch, in der Pfarrkirche von Esztergom einen Gottesdienst gesanglich mitzugestalten und anschließend, mit dem Kirchenchor der Basilika Esztergom noch ein kleines Konzert zu bestreiten. Das Publikum war begeistert.

Höhepunkt und Abschluss dieses Abends war jedoch die kurzfristig von der Reiseleitung arrangierte Schifffahrt mit Buffet auf der Donau.
Faszination pur war angesagt bei der Fahrt unter den beleuchteten Brücken hindurch, besonders erwähnt sei hier die Kettenbrücke, Margaretenbrücke oder Freiheitsbrücke (auch Elisabethenbrücke). Vorbei am beleuchteten Parlament oder dem Gellert Berg mit der Fischerbastei und der Zitadelle.
Es galt noch einmal, letzte Eindrücke zu sammeln und zu speichern, vielleicht für einen zweiten Budapestbesuch, und sich dann, mit leiser Wehmut, gedanklich auf die Heimreise einzustimmen, denn der nächste Tag war der Rückreisetag.

Ein letztes gemeinsames Frühstück im Hotel und dann hieß es Abschied nehmen. Abschied von einer zauberhaften Stadt, Abschied von unseren tollen Begleiterinnen während unseres Aufenthaltes, Heidi und Eszther, aber auch Abschied von einem Teil der Reisegruppe, denn die Flugreisenden durften nun die Bahnreisenden verabschieden und noch ein wenig die Stadt erkunden, ehe am späten Nachmittag der Rückflug in Richtung Deutschland abhob.
Etwa gleichzeitig trafen beide Reisegruppen am Sonntagabend wieder wohlbehalten in Koblenz ein. Die Heimat hatte uns wieder.
Eine schöne und erlebnisreiche Chorreise hatte ihr Ende gefunden.

Raimund Schlosser


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